Schon sind meine müden Füße
krank von den geebneten Alleen
denn scheinen zwischen tausend Bäumen
keine Blumen mehr zu stehen.

Dort wo sie einst erblühten
verbleiben nun verwesende Reste
welche akribisch Kritzeleien zeichnen
auf die ansonsten weiße Weste.

.

Stolze Narben prangen stets
auf den Pflastersteinen
welche im Gleichstrom mit dem Asphalt
ihre Zweisamkeit beweinen.

So zerklüftet sie auch sind
müsste man doch denken
die Hand des Lebens könne
ihre Geschicke durch sie lenken.

Doch die Fugen, die sie verbinden
trennen sie insgeheim
denn lässt der graue, harte Beton
keine Rose mehr gedeihen.

.

Ihre Brücken sind bereits
während der Konstruktion verbrannt
so trieb sie stets das Feuer
hinein in fremde Hand.

Gegeißelt von jagender Hitze
und mit erlösendem Land in Sicht
wagten viele schlicht und ergreifend
den Sprung ins kalte Wasser nicht.

Sie hörten auf den Konstrukteur
der da sprach in dunkler Nacht:
‘Die Brücke ist zum betreten
nicht zum herabspringen gedacht!’

So sahen sie bevorzugt
dem Inferno ins Gesicht
denn brachte es ihnen schließlich
vorübergehend Licht.

.

Schon sind meine müden Füße
krank von den glühenden Kohlen
und von jenen die sie fortlaufend
aus des Berges Mitte holen.

Schon ist mein müder Blick
krank von den Baumwipfeln
denn ähneln sie zu sehr
den versprochenen Berggipfeln.

Schon sind meine müden Ohren
krank von den Parolen
die stets versprechen die Geächteten
zurück ins Paradies zu holen.

Schon ist mein müder Geist
krank von all den Mauern
die stets ihn selbst doch niemals
die Zeiten überdauern.

Streckt jene Mauern nieder
setzt die Brücken in Brand
und wenn der Konstrukteur um Hilfe schreit
reicht ihm nicht die Hand.

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